Nachgefragt: Im Interview spricht Yves Gräzer über Chancen und Risiken, alte LON-Bus-Systeme zu ersetzen. Und darüber, warum sich eine sorgfältige Planung und Projektpartnerwahl auf jeden Fall lohnt.
Yves Gräzer, vielerorts werden derzeit alte LON-Bus-Systeme ersetzt. Weshalb ist das Thema so aktuell?
LON (Local Operation Network) ist eine Netzwerktechnologie aus den 90er Jahren. Im Laufe der Zeit hat sich die Digitalisierung für Gebäudeautomationsanlagen weiterentwickelt und die LON-Technologie kann mit den neuen Anforderungen nicht mithalten, weshalb viele Komponenten den End of Life-Status erreicht haben. Das bedeutet, dass keine Updates und Ersatzteile mehr zur Verfügung stehen oder Systembetreiber den Support einstellen.
Kommt die Umstellung plötzlich?
Nein, Unternehmer haben dies bereits vor einigen Jahren kommuniziert und den Kundinnen und Kunden wurden Sicherheitsgarantien bezüglich Pflege und Service für eine gewisse Zeit gewährt. Vielerorts ist diese Übergangsfrist nun aber vorbei und es muss eine Ablösung der Raumautomationssysteme erfolgen.
Was wird konkret gemacht?
Das bedeutet, dass in bestehenden Gebäuden alte Komponenten durch moderne Systeme ersetzt werden müssen. In der Steuerung komplexer Gebäudemanagementsysteme hat sich unter anderem die IP-basierte BACnet-Technologie durchgesetzt. Vorteile sind die höhere Übertragungsgeschwindigkeit sowie die einfachere Integration und natürlich der garantierte Support.
Können einige Komponenten übernommen werden?
Das ist teilweise möglich. Aber ob ein kompletter Systemwechsel oder kleinere Änderungen mit Installationsanpassungen nötig sind, hängt von der Komplexität des Gebäudes und der Nutzungsart ab. Zu beachten ist, dass Teillösungen manchmal zu komplizierteren Wartungen führen. Zudem wird durch die Weiterentwicklung und die Investition in neue Technologien das Know-how über alte Technologien und Systeme zunehmend verschwinden.
Was raten Sie Facility Managern, Liegenschaftsverwaltern oder anderen Personen, die für den technischen Gebäudeunterhalt zuständig sind?
Ein Gespräch mit jemandem, der sich mit elektrotechnischen Anlagen und der Gebäudeautomation auskennt. Dafür sind wir da. Wir machen eine Bestandsaufnahme und eine sorgfältige Planung. Das ist wichtig, weil die Arbeiten meist bei laufendem Betrieb erfolgen. Für die Gebäudenutzer darf der Wechsel nicht spürbar sein. Je nach Branche – wenn beispielsweise in einem Pharmaunternehmen die Lüftung aussteigt – können Ausfälle für das Personal, die Infrastruktur oder Proben schwerwiegende Folgen haben.
Sind Unwissen und die Sorge vor Arbeitsunterbrüchen Gründe, warum ein Systemwechsel häufig hinausgeschoben wird?
Gut möglich, dass dies Gründe dafür sind. Aber gerade, wenn Betreiber und Eigentümer kein Risiko eingehen möchten, ist eine rechtzeitige Beratung wichtig.
Wie meinen Sie das?
Das Risiko eines Ausfalls steigt, wenn die Systeme nicht mehr dem heutigen Standard entsprechen. Das kann durch ausbleibende Updates oder fehlende Ersatzteile passieren. Störungen erfolgen immer zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Deshalb erhöhen eine frühzeitige Planung und rechtzeitiges Handeln die Betriebssicherheit in jedem Fall. Auch eine Zweitmeinung kann Klarheit bringen, um die passende Lösung zu finden.
Welche Chancen bringt ein Systemwechsel noch mit sich?
Neue Komponenten schaffen mehr Möglichkeiten und erhöhen die Energieeffizienz. Zudem ist eine Investition in die Infrastruktur immer eine Wertsteigerung. Bei Corenta AG setzen wir auf nachhaltige und sinnvolle Lösungen. Eine realistische Kosten- und Terminplanung gehört für uns genauso dazu wie die persönliche Begleitung und fachlich einwandfreie Umsetzung.




